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Der Adler stöhnte währenddessen in seiner Ohnmacht, krächzte kläglich, verzog sein Gesicht und preßte den Schnabel zusammen; man sah ihm an, daß er große Schmerzen hatte.

Der Fisch erkannte, daß es Zeit war, einen Entschluß zu fassen, wie man dem Adler helfen könnte.

Da erwachte der Adler.

Er blickte sich um, sah, daß er am Ufer lag, entdeckte die Forelle und fragte:

"Wo bin ich denn? Und wer bist du?! Wo ist mein Begleiter Quick-Quack?!"

Dem Fisch fiel brühwarm ein, daß er vor lauter anderen Sorgen vergessen hatte, sich eine Erklärung für Quick-Quacks Abwesenheit auszudenken. Tausend Ideen stachen auf sein Hirn ein, doch dann nahm er sich zusammen und antwortete, in Erinnerung an seine liebe Großmutter, die immer gesagt hatte, Ausreden zu erfinden sei feige und dumm, am besten führe man mit der Wahrheit:

"Höre zu: du weißt, ich bin ein Raubfisch. Ich hatte schrecklichen Hunger, denn du siehst, in diesem verdreckten Fluß lebt kaum noch Getier. Also aß ich den Goldfisch, ohne daß er leiden mußte. Du mußt die Situation doch nachvollziehen können, du bist schließlich auch ein Raubtier!"

Der Adler starrte die Forelle entsetzt an, hob die rechte Braue, sagte aber dann traurig:

"Du hast recht. Leider ist der Tod meines Freundes ein sehr großer Verlust für mich; aber ich verstehe deine Lage."

Der Forelle fiel ein Stein vom Herzen. Sie bot dem Adler die Hand und sagte:

"Mein Name ist Gustoff. Mit wem habe ich die Ehre?"

"Pieps-Quietsch heiße ich. Allerdings bin ich verletzt, deshalb bitte ich dich, mich nicht hier liegen zu lassen, sondern mich zu einem Arzt zu bringen, damit ich mein Vorhaben baldestmöglich erfüllen kann."

"Jaja, logisch! Entweder bring´ ich dich zum nächsten Arzt, oder, wenn wir keinen finden, was ich bezweifle, gleich zum Direktor der Menschlichen Fischereiinnung Nord e.V. Mir ist das ganz egal."

"Versuchen wir lieber, einen Arzt zu finden. Im Wartezimmer kann ich mir dann überlegen, was um alles in der Welt ich beim Direktor der Menschlichen Fischereiinnung Nord e.V. verloren haben soll."

Die Forelle glubschte ihn mit großen Augen an, lachte aber dann laut auf, schlug dem Adler auf die Schulter und sagte:

"Ah, wir belieben dumm zu scherzen, wie? Kommt vom Fieber. Aber: wird schon wieder werden."

Der Adler schaute etwas irritiert drein. Er wiederholte:

"Bitte, bring´ mich zu einem Arzt."

Die Forelle lud sich den Adler wieder auf den Buckel, und der schlief sofort ein.

 

 

© 1998 by Vogel & Fitzpatrick GbR Black Ink
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