aus Kilian Fitzpatricks Remix:
Mein geliebtes Bayern, nichts auf der Welt ist schöner. Ich war einmal in Italien. Auch ganz schön, aber wie ich zurückkehrte, dachte ich nur: Endlich daheim, in meinem geliebten Bayern! Ich bin zu Hause. Dann bin ich sofort auf mein Schloss. Nein, stimmt gar nicht, vorher war ich schwimmen im Chiemsee. Er ist der beste, schönste, romantischste, tollste, angenehmste - auch landschaftlich. Der Walchensee ist zwar auch ganz schön, vielleicht hat er die anmutigeren Berge drumherum, schön ist es schon, aber der ist so kalt, so wahnsinnig klamm, so klar, aber da muss es schon heiß sein, damit das Spaß macht. Dann ist es aber gut, er ist so überschaubar, man kann ganz einfach durchschwimmen, man geht ins Wasser, das ist durchsichtig, mein Wasser, so rein, so wie eine Fuge, klar, rein, physikalisch, mathematisch. Die Ufer, viele sind naturbelassen, Kies unter den Füßen, sanfter Einstieg, doch dann, oho! Dann geht es steil ab und man muss schwimmen. Endlich, ich mag es doch so, das Schwimmen, ich schwimme oft, ich schwimme gern, in meinen Seen. Im Starnberger See, im Ammersee, im Walchensee, im Kochelsee, im Pilsensee, Staffelsee, Sylvensteinsee, Plansee, Forggensee, Starnberger See, ja, und eben der Chiemsee. Der ist was für mich, für Könige, Asketen - aber, der ist groß und diese Inseln, die Fraueninsel, Herrenchiemsee, die Boote, die Boote, nirgendwo gibt es so herrliche Boote wie auf dem Chiemsee. Da kann man nicht durchschwimmen, obwohl ich es gerne machen würde. Aber alle warnen mich. „Hoheit, zu gefährlich“, Hoheit hier, Hoheit da. Das ist mein Traum. Der Chiemsee. Und da gibt es die besten Fische, also, diese Fische. Und ihre Bäckchen! Nirgendwo gibt es bessere Fischbäckchen als im Chiemsee. Bleibt nur noch der Bodensee. Gehört mir nicht ganz allein. Aber da bin ich nicht so kleinlich. Trotzdem schwimme ich dort. Manchmal esse ich die Äpfel. Meine Äpfel. Da ist es warm, so schön warm. Gerade noch Bayern. Und Mainau! Was für eine Insel! Also, die hätte ich auch gerne. Da würde ich ein Schloss hinbauen, das würde mir gefallen. Aber, gehört mir nicht. Der Kollege will auch nicht verkaufen. Kann ich verstehen. Ich verstehe so einiges. Ich weiß, wenn ich einmal ein Kaiser wäre, dann würde ich auf Mainau bauen, das schönste Schloss, die ganze Insel wäre mein Schloss mit Türmen, die in den Himmel ragen. Und diese Gärten, da gibt es Pflanzen, die sonst nur in Italien oder wasweißichwo wachsen, Tiere, die wasweißichwo leben, und wasweißichwieviel Sterne dort funkeln. Diese Luft, überall schwirrt es. Und dann dieses Wasser, klar, aber sanft, nicht so wie im Walchensee, ganz anders, als wäre es weich, ganz sanft, so wie Mendelsson, Schumann, romantisch, aber nicht so gewaltig. Groß ist er schon, der Bodensee. Wie Beethoven. Der späte Beethoven. Auf einem Boot in der Nacht über den See und dabei die Mondscheinsonate hören, das würde mir gefallen, das wäre stimmig. Das muss ich mir merken. Wenn ich einmal Zeit habe, dann mach ich das. So für zwischendurch. Aber niemand liebt den Chiemsee mehr als ich. Mein See. Bin ja auch sein König und er ist der König der Seen. So wie Wagner der König der Musiker ist. Sein Wasser, seine Berge, seine Ufer, eine Symphonie, ein Werk. Nur Gott kann das - und Wagner. Natürlich nur auf dem Papier, dem Notenpapier. Da soll mal Parsifal mit seinem Schwan rüberfahren! Und ich mit im Boot. Ich träume von einer Bühne, mitten auf dem See, so groß wie eine Insel, eine schwimmende Bühne, nur für Parsifal und mich. Das Orchester in Booten, umkreisen die Insel. Ein Boot für mich und ich gehe an Land auf meine Loge, auf meinen Thron. Und wenn keine Musik gespielt wird, dann kann ich die Insel als Audienzsaal, sozusagen, verwenden. Jeder, der mich sprechen will, kann dann kommen und seine Probleme und Anliegen vortragen. Er muss nur schwimmen. Das ist die einzige Bedingung. Schwimmen wie ich. Die Fische, die herrlichen Fische. Es gibt Fische auf der Insel, nur ich und die Fische. Und Parsifal. Und Schwäne. Die kann man auch essen. Man kann. Schmecken schnell tranig. Ganz jung, das ist gut. Da sind sie köstlich. Aber schade, eine Verschwendung. Lieber Gansjung mit Butterbögen. Oder Rehrücken mit Windnudeln. Rehe. Grazile Tiere. Können die schwimmen? Und wenn schon, dann baue ich eine weitere Insel, nur für die Rehe. Die esse ich dann. Fischbäckchen mit Rehzunge. Oder Gansjung eben. Gänse schwimmen auch, sie fliegen. Gefiederte Fische. Fische des Himmels. In Italien essen sie alles. Spatzen, Amseln, Schnepfen, Meisen, Finken. Und Frösche. Das kommt von Frankreich. Die essen da Frösche. Die können auch schwimmen. Schmecken tun sie schon, die Frösche. Und Schnecken. Zum Wein, Weinbergschnecken. Ganz köstlich. Gansjung mit Weinbergschnecken, Froschschenkel mit Rehleber. Die gibt es dann auch, auf meiner Insel im Chiemsee. Vielleicht Kann Parsifal auch mal mit einem Schneckenboot fahren? Oder in einer Muschel? Im Chiemsee gibt es auch Muscheln. Schmecken nicht großartig. Etwas klein. Fast wie Fischbäckchen, aber mit weniger Substanz. Manche Muscheln können auch schwimmen. Ich habe es gesehen. Beim Schwimmen. Und Krebse. Köstlich, königlich! Krebse mit Gansjung und Windnudeln. Auf meiner Insel, in meinem See, in meinem Land, unter meinem Himmel.
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