Paul Huf: You have to be as cool as Alain Delon, sagte Zelko. Leseprobe
Frühling im Museum
Museumsbesuch, Sonntagnachmittag um kurz nach
zwei. Ausgeschlafene, frisch gewaschene und kunstsinnige
Menschen, die selbstzufrieden durch die Säle
wandeln.
Ich auch dabei, genauso frisch gewaschen, selbstzufrieden
und kunstsinnig wie alle anderen.
Vor dem Museum blühen die ersten Krokusse und
die Bäume zeigen ein zartes Grün.
Es gibt Skizzenbücher zu sehen, in Plexiglasvitrinen.
Mit einer aus Draht gebogenen Vorrichtung kann
man Seite für Seite umblättern und so Zeichnung für
Zeichnung betrachten.
Ich stehe an einer Vitrine und blättere, als mir an der
Nachbarvitrine eine junge Frau und ein junger Mann
auffallen.
Sie stehen sich gegenüber und blättern in den Skizzenbüchern,
schauen aber nicht auf die Zeichnungen, sondern
schauen sich in die Augen.
Sie blickt ganz verklärt und sagt:
"Also mir hat auf der Documenta dieser eine Film
am besten gefallen, der hieß 'Dial History'. Ich weiß
nicht von wem der war, aber er wurde in der Nähe von
dem Atlas von Gerhard Richter gezeigt."
Sofort antwortet der junge Mann darauf:
"Ja, ja, den hab ich gesehen, aber mein Lieblingsfilm
auf der Documenta war der Zeichentrickfilm von
William Kentridge."
"Ja, der war toll. Es ist schon unglaublich, was er für
eine ausdrucksstarke Animation mit ein paar Strichen
zu Stande bringt.
Aber, wie hat dir die Biennale gefallen? Also, ich war
nicht begeistert."
"Nein, ich fand die Pavillons nicht besonders, aber
das Arsenale ist schon ein tolles Gelände."
"Venedig ist einfach ein Traum. Eigentlich braucht
man dort gar keine Kunst zusätzlich. Aber sag mal, was
hältst du von zeitgenössischer Fotografie? Mir gefällt
dieser Thomas Struth und Thomas Ruff überhaupt nicht.
Ich find das furchtbar langweilig."
"Da geb ich dir Recht, aber dort, wo die Fotografie
weitergeht und sich selbst reflektiert, finde ich sie schon
toll, so wie bei Cindy Sherman ..."
Ein lauer Frühlingswind drängt sich durch das geöffnete
Fenster und ich schlendere langsam weiter.