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Diese Eigenartigkeit, die eigenen Eltern anzurufen, als wären sie fremd, als wären sie mit einem Mal schon immer Fremde gewesen. Das Klingeln wirkte endlos. Der abgehobene Hörer schien meine Stimme aus mir herauszureißen. Konnten sie denn wirklich nicht dieses Vertraute darin wahrnehmen, zwar abgelenkt durch die andere Stimmlage, die abweichende Lippenbewegung; aber es schlich sich so durch. Sie wollten nicht mit mir reden. Ich bräuchte mich nicht zu entschuldigen, aber ich sollte sie lassen. Wenn ich mich getrennt hätte, müßte ich das mit ihrem Sohn ausmachen. Wenn ich nicht wüßte, wo er sei, wären sie die Letzten, die mir das sagen würden. Wieso ich wissen wolle, wie es ihm geht, als ob mir daran gelegen sei. Ihre Trauer sei schon immer die größere gewesen. Ich solle bitte nicht wieder anrufen, sie betrachteten es als beendet, und ich hätte ihrem Sohn schon genug genommen, sie würden sich von mir nicht gegen ihn aufhetzen lassen. - Wie wenn sie mich nie gekannt hätten. Ich wußte nicht viel anzufangen mit diesem Gespräch, aber ich merkte, daß es mich in eine fast grenzenlose Aufregung versetzte. Als müßte sich noch mal alles in mir drehen. Ich wußte nicht, was war. Und das Gespräch, als gebe es ihren Sohn und gebe es ihn nicht mehr. Für mich war er also verschwunden, ich wußte nicht, ob gestorben, oder ob auf anderen Wegen. - Die lange Zeit, sich zu beruhigen.



Nikolai Vogel: Wandlung Leseprobe

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